Hummel-und-Sonnenblume_bearbeitet_©Tim Svenson

Hummel, Hummel!

Was wirklich wichtig ist: Laut einer Studie britischer, niederländischer und deutscher Forscher ist die Anzahl der Fluginsekten in den letzten knapp 30 Jahren um 76 % zurückgegangen. Sechsundsiebzig Prozent! Die Studie bezog sich auf Messungen in Naturschutzgebieten in Nord- und Nordwestdeutschland. Die Gründe für das Massensterben sind noch nicht abschließend geklärt. Als einer der wahrscheinlichen Auslöser gilt der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft.

Der Anteil ökologisch bewirtschafteter Flächen in Deutschland, liegt nach wie vor bei nicht einmal sieben Prozent (Quelle: Bundesumweltamt). Komisch, wo doch alle nur Biolebensmittel kaufen. Die Wahrheit ist, dass wir uns etwas vormachen, jedenfalls viele von uns. Selbstbeschiss, Selbstgerechtigkeit und Ignoranz allerorten. Man muss kein Wissenschaftler sein, um zu wissen, dass ohne Bienen, Hummeln und Fliegen die Bestäubung der Pflanzen ausbleiben wird. Und das ist nur die eine prekäre Angelegenheit. Die Fässer Massentierhaltung, Grundwasserverseuchung und Meeresverschmutzung möchte ich an dieser Stelle gar nicht erst aufmachen. Wir konsumieren unsere Lebensgrundlagen zu Tode. Und kaum einer will hingucken.

Schlimmer noch: Wer sich aus Sorgen um die Umwelt und unsere Nachkommen die Mühe macht, biovegan einzukaufen und zu kochen (nein, das ist weder überteuer noch unlecker), der oder die gilt gemeinhin als „ein bisschen extrem“. WTF?

Jeder, absolut jeder kann etwas tun, um die Umwelt und die Tiere zu schützen. Und damit meine ich nicht das Runterbringen des Gelben Sackes. Es muss viel mehr passieren! Legt nicht bloß ein bisschen Öko-Maskara fürs gute Gewissen auf, sondern entscheidet euch für echte und konkrete Maßnahmen:

1. Konsumiert mit offenen Augen. Informiert euch über die Nachhaltigkeit der Produkte, für die ihr euer Geld hergebt. Soviel Zeit muss sein!

2. Kauft nicht jeden Kokolores, nur weil er gerade im Trend liegt. Unsere Großeltern waren auch 30 Jahre lang mit ein und der selben Schrankwand glücklich.

3. Lernt zu hauswirtschaften! Wer kochen, backen und seine eigenen Bio-Putzmittel herstellen kann, ist klar im Vorteil und spart Geld. Statt die Schränke voller Plastik und Fertigprodukte zu laden, sollte man eine Palette möglichst einfacher Grundnahrungsmittel im Haus haben – und kreativ mit ihnen umgehen können. Das Gleiche gilt für andere Dinge des täglichen Bedarfs. Wie viele Weihnachtslichterketten, Shampooflaschen und Klebefilmabroller braucht der Mensch?

4. Kauft nach Möglichkeit Bio-Lebensmittel. Bio ist kein Tüdelkram: Bio heißt, dass zum Beispiel bei Gemüse und Obst keine chemischen Insektenbekämpfungs- und Unkrautvernichtungsmittel zum Einsatz gekommen sind. Wer will schon möglicherweise krebserregende Herbizide mitessen?

5. Versucht euch dem Gedanken einer komplett pflanzenbasierten Ernährung zu nähern und lebt so vegan, wie möglich. Klar: Es fällt schwer, inmitten des großen Hypes einen neutralen Überblick zu bewahren. Viele reagieren daher mit Unsicherheit oder gar aggressiver Ablehnung auf vegane Themen. Doch die Zukunft kann einfach nicht bedeuten, dass wir weiterhin intelligente Lebewesen töten (lassen), sie in die Pfanne hauen oder Schuhe und Mützenbommel aus ihnen herstellen. Schon gar nicht in den unfassbaren Massen, wie es heutzutage der Fall ist. Macht euch euer eigenes Bild: Eurer Gesundheit, den Tieren und der Erde zuliebe. Irgendjemand muss ja mal damit anfangen!

6. Wenn du einen Garten oder einen Balkon besitzt, und damit wären wir wieder bei den Insekten: pflanze Blumen! In den 1970er Jahren wurde die bundesweite Aktion „Unser Dorf soll schöner werden“ populär. Die alten, bäuerlichen Strukturen wichen dabei vielerorts schicken Asphaltflächen und Waschbetonkübeln mit ein paar Verlegenheits-Geranien darin. Seither ist es nur noch schlimmer geworden. Heutzutage gibt es Vorgärten, die nur noch aus pflegeleichtem Schotter bestehen. Da denkt jede Honigbiene, sie wäre auf den Mond geschossen worden! Und wer erinnert sich noch daran, dass früher die Feldränder auf dem Land voller Korn- und Mohnblumen standen?

Bienen, Schmetterlinge und Schwebfliegen brauchen eine intakte, nicht mit Giften belastete Natur. Sie brauchen Unterschlupfmöglichkeiten, saubere Trinkstellen und jede Menge Blütennektar! Und wir brauchen die Insekten. Sonst ist irgendwann wirklich Schluss mit lustig.

In diesem Sinne: Hummel, Hummel!

Tim-Patrick P. Svenson